Der Zusammenhang zwischen Fettleibigkeit und Meta-Entzündungen – Ursache oder Folge?
Der Zusammenhang zwischen Übergewicht und Meta-Entzündungen – Ursache oder Folge?
(Dieser Beitrag wurde zuletzt fachlich geprüft und überarbeitet am 09.03.2026)
(Inspiriert durch das Buch „How Not to Diet“ von Dr. med. Michael Greger.)
In diesem Beitrag erfahren Sie unter anderem:
warum Übergewicht und Entzündungen eng miteinander zusammenhängen
welche Rolle das Hormon Leptin bei der Appetitregulation spielt
warum Entzündungsprozesse im Gehirn zu Gewichtszunahme beitragen können
weshalb eine entzündungsfördernde Ernährungsweise diesen Prozess verstärken kann
Eine entzündungsfördernde Ernährungsweise steht in engem Zusammenhang mit Fettleibigkeit beziehungsweise Adipositas, insbesondere mit abdominaler Fettleibigkeit – also der Einlagerung von Fett im Bauchraum.
Wissenschaftler beobachteten über mehrere Jahre hinweg tausende normalgewichtige Menschen. Dabei stellte sich heraus, dass diejenigen mit einer entzündungsfördernden Ernährungsweise durchschnittlich mehr Gewicht pro Jahr zunahmen als Menschen mit einer entzündungshemmenden Ernährung.
Darüber hinaus hatten Personen mit einer stark entzündungsfördernden Ernährung ein um etwa 32 % höheres Risiko, innerhalb von acht Jahren fettleibig zu werden – selbst dann, wenn Faktoren wie Rauchen oder körperliche Aktivität statistisch berücksichtigt wurden.
Wann spricht man von Übergewicht oder Adipositas?
Medizinisch wird Übergewicht und Adipositas meist anhand des Body-Mass-Index (BMI) definiert.
BMI über 25 → Übergewicht
BMI über 30 → Adipositas
BMI über 40 → Adipositas Grad III (Adipositas permagna)
Diese Zahlen wirken zunächst eindeutig. Betrachtet man das Thema jedoch genauer, ergeben sich wichtige Fragen.
Ist eine Kalorie wirklich gleich eine Kalorie?
Es stellt sich zum Beispiel die Frage:
Ist eine Ernährung mit hohem lebensmittelbedingtem Entzündungsindex vielleicht grundsätzlich eine schlechte Ernährung – also eine Ernährung mit:
viel Fett
vielen raffinierten Kohlenhydraten
stark verarbeiteten Lebensmitteln
Die Lebensmittelindustrie behauptet häufig:
„Eine Kalorie ist eine Kalorie.“
Doch verarbeitet unser Körper wirklich eine Kalorie aus Obst und Gemüse auf die gleiche Weise wie eine Kalorie aus Softdrinks oder Junkfood?
Und woher wissen wir eigentlich, ob eine bestimmte Ernährungsweise nicht auch Entzündungsprozesse im Körper beeinflusst?
Entzündungen und Übergewicht – was ist Ursache und was ist Folge?
Zahlreiche Studien zeigen, dass Fettleibigkeit mit erhöhten Werten des C-reaktiven Proteins (CRP) im Blut verbunden ist.
CRP ist ein Marker für Entzündungsprozesse im Körper.
Die entscheidende Frage lautet daher:
Ist die Entzündung Ursache des Übergewichts oder Folge davon?
Oder treten beide Phänomene einfach gleichzeitig auf?
Fettgewebe ist kein passiver Speicher
Lange Zeit glaubte man, Fettgewebe sei lediglich ein passiver Energiespeicher.
Heute weiß man, dass Fettgewebe aktiv entzündungsfördernde Botenstoffe produziert.
Wenn Fettgewebe stark anwächst, kann es passieren, dass die Blutversorgung nicht mehr ausreichend hinterherkommt. Teile des Gewebes leiden dann unter Sauerstoffmangel.
Absterbende Fettzellen ziehen sogenannte Makrophagen an – spezielle Immunzellen, die beschädigtes Gewebe „aufräumen“.
In Gewebeproben von Bauchfett bei adipösen Menschen findet man daher häufig große Mengen dieser Immunzellen.
Diese Zellen produzieren wiederum entzündliche Botenstoffe, wodurch sich ein Zustand chronischer Entzündung entwickeln kann.
Damit scheint klar:
Übergewicht kann selbst zu chronischen Entzündungen beitragen.
Warum spielen Entzündungen trotzdem eine Rolle bei Übergewicht?
Wenn Übergewicht Entzündungen verursacht – warum sollte man bei einer Diät dann auf eine entzündungshemmende Ernährung achten?
Die Antwort liegt möglicherweise im Gehirn.
Denn Entzündungen können auch im zentralen Nervensystem auftreten – insbesondere in den Regionen, die unseren Appetit regulieren.
Das Gehirn als Regulator des Appetits
Adipositas wird heute zunehmend als neuroendokrine Störung betrachtet – also als Erkrankung, die sowohl das Nervensystem als auch das Hormonsystem betrifft.
Der zentrale Regulator unseres Stoffwechsels ist der Hypothalamus, eine kleine Struktur im Gehirn.
Der Hypothalamus:
steuert Hunger und Sättigung
reguliert den Energieverbrauch
kontrolliert viele hormonelle Prozesse
Er funktioniert ähnlich wie ein Thermostat für den Körperfettanteil.
Das Hormon Leptin – unser Fett-Thermostat
Fettzellen produzieren ein Hormon namens Leptin.
Je mehr Fett im Körper gespeichert ist, desto mehr Leptin wird ausgeschüttet.
Dieses Hormon gelangt über das Blut zum Hypothalamus und signalisiert:
„Es ist genug Energie gespeichert – der Appetit kann reduziert werden.“
Sinkt der Fettanteil, fällt auch der Leptinspiegel – und der Hypothalamus steigert den Appetit.
Dieses System sorgt normalerweise dafür, dass unser Körpergewicht über lange Zeit relativ stabil bleibt.
Wenn das System gestört wird
Menschen können stark an Gewicht zunehmen, wenn dieser Leptin-Hypothalamus-Regelkreis gestört ist.
Solche Störungen können entstehen durch:
Verletzungen des Gehirns
Tumoren
Entzündungen
hormonelle Störungen
In diesen Fällen kann der Hypothalamus das Leptin-Signal nicht mehr richtig interpretieren.
Die Folge kann ein dauerhaft gesteigerter Appetit sein.
Leptinresistenz – ein ähnliches Prinzip wie bei Diabetes
Bei vielen übergewichtigen Menschen ist nicht zu wenig Leptin vorhanden, sondern im Gegenteil sehr viel davon.
Das Problem ist, dass das Gehirn nicht mehr ausreichend auf das Signal reagiert.
Man spricht dann von Leptinresistenz.
Ein ähnliches Prinzip kennt man vom Diabetes Typ 2, bei dem der Körper trotz hoher Insulinspiegel nicht mehr richtig auf Insulin reagiert.
Eine mögliche Ursache: Lipidtoxizität
Ein möglicher Auslöser solcher Störungen ist die sogenannte Lipidtoxizität – also eine übermäßige Belastung des Körpers mit gesättigten Fetten.
Tierexperimente zeigten, dass eine fettreiche Ernährung innerhalb kurzer Zeit Entzündungen im Hypothalamus auslösen kann.
Diese Entzündungen können die normale Funktion der Appetitregulation beeinträchtigen.
Interessanterweise konnten sich diese Veränderungen bei den Versuchstieren wieder zurückbilden, wenn sie anschließend wieder eine gesündere Ernährung erhielten.
Hinweise aus Studien am Menschen
Mit modernen bildgebenden Verfahren wie MRT-Untersuchungen konnten Wissenschaftler ähnliche Veränderungen auch beim Menschen beobachten.
Dabei fanden sie Hinweise auf entzündliche Veränderungen im Hypothalamus bei Personen mit stark fettreicher Ernährung.
Die gute Nachricht:
Die Nervenzellen waren meist nicht dauerhaft zerstört, sondern nur funktionell beeinträchtigt.
Das deutet darauf hin, dass sich diese Veränderungen wieder zurückbilden können.
Auch das Gedächtniszentrum kann betroffen sein
Neben dem Hypothalamus kann auch der Hippocampus, eine zentrale Struktur unseres Gedächtnisses, durch ungünstige Ernährung beeinflusst werden.
Studien zeigen, dass eine fettreiche Ernährung:
Gedächtnisleistung
Aufmerksamkeit
Reaktionsfähigkeit
bereits innerhalb weniger Tage negativ beeinflussen kann.
Einige Untersuchungen fanden sogar Hinweise darauf, dass eine sehr fettreiche Ernährung das Volumen des Hippocampus langfristig verringern kann.
Die gute Nachricht
Viele dieser Veränderungen scheinen reversibel zu sein.
Studien zeigen, dass sich die Funktion des Gehirns wieder verbessern kann, wenn Menschen zu einer gesünderen Ernährungsweise zurückkehren.
Fazit
Immer mehr wissenschaftliche Erkenntnisse deuten darauf hin, dass eine Ernährungsweise mit vielen gesättigten Fetten und stark verarbeiteten Lebensmitteln langfristig zu erheblichen gesundheitlichen Problemen beitragen kann.
Dabei spielt nicht nur das Körpergewicht eine Rolle, sondern auch entzündliche Prozesse im Gehirn, die unseren Appetit und unser Essverhalten beeinflussen können.
Gleichzeitig zeigen viele Studien, dass eine vollwertige, überwiegend pflanzenbasierte und fettarme Ernährung helfen kann, solche Prozesse wieder zu normalisieren.
Weiterführende Beiträge
Wenn Sie sich näher mit den Zusammenhängen zwischen Ernährung, Entzündungen und chronischen Erkrankungen beschäftigen möchten, lesen Sie auch:
Diese Themen hängen eng miteinander zusammen und zeigen, welche Rolle unsere Ernährung für die langfristige Gesundheit spielen kann.
Fragen?
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Dieser Beitrag wurde zuletzt fachlich geprüft und aktualisiert am 9. März 2026
