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Insulin – Das Hormon für den Überfluss

Veröffentlicht von Steffen am 24. März 2020
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Insulin – Das Hormon des Überflusses

(Dieser Beitrag wurde fachlich geprüft und aktualisiert am 10.03.2026.)

In diesem Beitrag erfahren Sie,

  • welche zentrale Rolle Insulin im Energiestoffwechsel unseres Körpers spielt

  • warum Insulin oft als „Hormon des Überflusses“ bezeichnet wird

  • wie sich Übergewicht, Insulinresistenz und erhöhte Insulinspiegel gegenseitig verstärken

  • weshalb sich Fett in Muskelzellen einlagern kann und dadurch die Insulinwirkung gestört wird

  • warum selbst eine einzelne fettreiche Mahlzeit kurzfristig die Insulinsensitivität verschlechtern kann

  • welchen Einfluss unterschiedliche Fettarten in unserer Ernährung auf den Stoffwechsel haben

  • und welche Rolle eine vollwertige, pflanzenbasierte Ernährung bei der Vorbeugung von Übergewicht und Diabetes Typ 2 spielen kann.

 

Insulin kann man durchaus als das „Hormon des Kalorien-Überflusses“ bezeichnen.

Nach einer Mahlzeit wird unser Blut regelrecht mit Kalorien überschwemmt. Die Stärke, die wir beispielsweise in Form von Kartoffeln zu uns genommen haben, wird in Einfachzucker umgewandelt. Das Protein aus einem Steak zerlegt unser Körper in Aminosäuren, und das Fett aus Fleisch oder Soße wird in Fettsäuren umgewandelt.

All diese Bestandteile gelangen anschließend über den Darm in unseren Blutkreislauf.

Nun tritt Insulin auf den Plan.

Dieses Hormon sorgt dafür, dass die aufgenommenen Nährstoffe an die richtigen Orte im Körper verteilt werden:

  • Es schleust Glukose in die Muskelzellen, damit wir Energie für Bewegung und Stoffwechsel haben.

  • Es ermöglicht den Zellen die Aufnahme von Aminosäuren, aus denen neues körpereigenes Protein gebildet wird.

  • Es hilft dabei, Fettsäuren in Fettzellen einzulagern.

Insulin sorgt jedoch nicht nur dafür, dass Fett in die Fettzellen gelangt. Gleichzeitig verhindert es auch, dass diese Fettzellen Fett wieder freisetzen und verbrennen.

Man kann daher durchaus sagen:

Insulin ist ein biologisches Signal des Überflusses.

Fettzellen – ein Speicher mit begrenzter Kapazität

Jeder Mensch besitzt eine individuell unterschiedliche Anzahl an Fettzellen. Diese werden überwiegend in der Kindheit angelegt. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass die Anzahl der Fettzellen im Erwachsenenalter relativ konstant bleibt.

Die Anzahl dieser Fettzellen entscheidet mit darüber, wie leicht ein Mensch später Fettgewicht zulegt.

Wenn durch eine fettreiche Ernährung die vorhandenen Fettzellen überfüllt werden, kann es passieren, dass Fett aus diesen Zellen wieder in den Blutkreislauf gelangt. Da Fett im Blut jedoch nicht dauerhaft verbleiben kann, sucht es sich einen neuen Ablageort.

Dieser neue Ablageort sind häufig unsere Muskelzellen.

Dort lagert sich das Fett schließlich ein.

Eine kleine Nebenbemerkung:
Bei Schweine- oder Rindfleisch nennt man diese Fettablagerungen „Marmorierung“.

Wenn Fett die Insulinwirkung blockiert

Wenn sich Fett in Muskelzellen einlagert, kann es die Insulin-Signalübertragung stören.

Das bedeutet:

Die Muskelzellen reagieren nicht mehr so schnell und effektiv auf das Signal des Insulins, Zucker aus dem Blut aufzunehmen. Der Zucker bleibt länger im Blut – ein Zustand, der als Insulinresistenz bezeichnet wird.

Normalerweise nehmen unsere Muskelzellen mithilfe des Insulins Glukose aus dem Blut auf. Werden sie jedoch resistent gegen dieses Signal, steigt der Blutzuckerspiegel an.

Um dies zu verhindern, reagiert der Körper mit einer Gegenmaßnahme:

Die Bauchspeicheldrüse produziert noch mehr Insulin.

Doch hier beginnt ein Problem. Denn Insulin fördert gleichzeitig auch die Fetteinlagerung.

Damit entsteht ein Teufelskreis.

Der Insulin-Übergewicht-Kreislauf

Übergewicht kann zu Insulinresistenz führen.
Die Insulinresistenz führt zu einer erhöhten Insulinproduktion.
Das erhöhte Insulin wiederum fördert die Fetteinlagerung.

So entsteht ein Kreislauf:

 

Übergewicht → Insulinresistenz → mehr Insulin → noch mehr Übergewicht.

Mit der Zeit kann dieser Kreislauf dazu führen, dass die Bauchspeicheldrüse an ihre Grenzen kommt.

Der Blutzuckerspiegel steigt dauerhaft an – zunächst entsteht Prädiabetes, später kann sich ein Diabetes mellitus Typ 2 entwickeln.

Das Problem der klassischen Diabetes-Behandlung

Anstatt die Ursache – nämlich die Insulinresistenz – zu behandeln, wird häufig versucht, den Blutzucker durch noch mehr Insulin zu senken.

Medikamente oder Insulin-Injektionen erhöhen die Insulinkonzentration künstlich so stark, dass selbst resistente Muskelzellen wieder Zucker aufnehmen.

Der Blutzucker sinkt – scheinbar ein Erfolg.

Doch gleichzeitig führt das zusätzliche Insulin zu mehr Fettansammlung.

Viele Patienten nehmen in den ersten Jahren einer Insulintherapie zwischen 4 und 10 Kilogramm zu.

Der Teufelskreis bleibt bestehen.

Insulinresistenz kann auch schlanke Menschen betreffen

Eine Insulinresistenz entsteht nicht nur bei Übergewicht.

Das Fett, das Muskelzellen blockiert, kann entweder

  • aus überfüllten Fettzellen stammen
    oder

  • direkt aus einer fettreichen Mahlzeit.

Normalerweise befinden sich etwa 100 µmol/l freie Fettsäuren im Blut. Bei Übergewicht können es bis zu 800 µmol/l sein.

Doch auch schlanke Menschen können solche Werte erreichen – allein durch den Verzehr einer fettreichen Mahlzeit.

Eine „Low-Carb-Mahlzeit“ kann also kurzfristig die gleiche Fettkonzentration im Blut erzeugen wie sie bei stark übergewichtigen Menschen dauerhaft vorkommt.

Was im Blut nach fettreichen Mahlzeiten passiert

Wissenschaftler konnten zeigen, dass Fett aus einer Mahlzeit innerhalb weniger Stunden in Muskelzellen eingelagert wird und dort die Insulinresistenz erhöht.

Ein anschauliches Experiment dazu zeigt der Film The Game Changers.

Dort erhielten drei Athleten unterschiedliche Mahlzeiten – zwei mit Fleisch und eine pflanzliche Mahlzeit. Anschließend wurde ihr Blut untersucht.

 

Im Reagenzglas nach der Fleischmahlzeit ist das Serum milchig – das sind Fettpartikel im Blut.
Nach der pflanzlichen Mahlzeit bleibt das Serum klar.

Dieses Fett im Blut kann die Insulinempfindlichkeit innerhalb weniger Stunden halbieren.

Wie man die Insulinwirkung verbessern kann

Wissenschaftler haben verschiedene Strategien untersucht, um die Insulinsensitivität zu verbessern.

Dazu gehören:

  • regelmäßige körperliche Aktivität

  • Gewichtsreduktion

  • eine geringere Fettaufnahme

Dabei spielt auch die Art des Fettes eine Rolle.

Ungesättigte Fette aus

  • Nüssen

  • Oliven

  • Avocados

werden vom Körper deutlich besser verarbeitet als gesättigte Fette aus

  • Fleisch

  • Milchprodukten

  • Junkfood

  • Palmöl

  • stark verarbeiteten Lebensmitteln.

Studien zeigen sogar, dass allein der Austausch tierischer Fette durch pflanzliche Fette die Insulinsensitivität verbessern kann.

Pflanzliche Ernährung und Insulinempfindlichkeit

Forscher des Imperial College London verglichen Veganer und Omnivoren mit gleichem Körpergewicht.

Das Ergebnis:

Bei Veganern befand sich signifikant weniger Fett in den Muskelzellen – ein Hinweis auf eine bessere Insulinsensitivität.

Kann allein der Fettwechsel beim Abnehmen helfen?

Ja.

In einer australischen Studie erhielten Teilnehmer die gleiche Kalorienmenge und die gleiche Fettmenge.

Der Unterschied lag nur in der Fettquelle:

  • Gruppe 1: Fleisch und Butter

  • Gruppe 2: Oliven, Nüsse und Avocados

Nach einem Monat hatte die zweite Gruppe durchschnittlich drei Kilogramm mehr Gewicht verloren.

Trotzdem gilt auch hier:
Selbst pflanzliche Fette sollten maßvoll konsumiert werden.

Eine sehr fettreiche Mahlzeit – selbst mit Olivenöl – kann kurzfristig die Insulinresistenz erhöhen.

Fazit

Um das Risiko für Übergewicht und Diabetes mellitus Typ 2 möglichst gering zu halten, empfehle ich meinen Patienten frühzeitig über ihre Ernährung nachzudenken.

Eine vollwertige, pflanzenbasierte und fettarme Ernährungsweise kann helfen,

  • die Insulinsensitivität zu verbessern

  • den Stoffwechsel zu entlasten

  • und langfristig chronischen Erkrankungen vorzubeugen.

Viele Menschen berichten nach einer Ernährungsumstellung nicht nur über gesundheitliche Verbesserungen, sondern auch über mehr Energie, bessere Leistungsfähigkeit und eine größere Vielfalt auf dem Teller.

Kurz zusammengefasst

  • Insulin ist das zentrale Hormon des Energiestoffwechsels. Es sorgt dafür, dass Zucker, Aminosäuren und Fettsäuren aus dem Blut in die Zellen gelangen.

  • Hohe Insulinspiegel fördern die Fetteinlagerung und können gleichzeitig die Fettverbrennung blockieren.

  • Lagert sich Fett in Muskelzellen ein, kann dies zu einer Insulinresistenz führen – ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu Prädiabetes und Diabetes Typ 2.

  • Fettreiche Mahlzeiten können die Insulinsensitivität bereits innerhalb weniger Stunden verschlechtern, selbst bei schlanken Menschen.

  • Eine vollwertige, pflanzenbasierte und fettarme Ernährung kann helfen, die Insulinsensitivität zu verbessern und den Stoffwechsel langfristig zu schützen.

Möchten Sie mehr erfahren?

In weiteren Artikeln meines Blogs erfahren Sie mehr über die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Stoffwechsel und chronischen Erkrankungen.

Besonders interessant könnten für Sie auch diese Beiträge sein:

  • Meta-Entzündungen im Körper – Ursache chronischer Erkrankungen

  • Wie Ballaststoffe und Phytosterole Cholesterin senken

  • Gesunde Blutgefäße – Grundlage für langfristige Gesundheit

Wenn Sie Fragen haben oder Unterstützung bei einer Ernährungsumstellung wünschen, können Sie mir gerne eine E-Mail schreiben
oder mich telefonisch, per WhatsApp kontaktieren.

Ich helfe Ihnen gern weiter.

Quellen:

Insulin-associated weight gain in obese type 2 diabetes mellitus patients: What can be done? Adrian Brown  1 , Nicola Guess  1   2 , Anne Dornhorst  3 , Shahrad Taheri  3   4   5 , Gary Frost  1

How free fatty acids inhibit glucose utilization in human skeletal muscle Michael Roden 1

Lipotoxicity: Why do saturated fatty acids cause and monounsaturates protect against it? Christopher J Nolan, Claire Z Larter

Veganism and its relationship with insulin resistance and intramyocellular lipid L M Goff  1 , J D Bell, P-W So, A Dornhorst, G S Frost

Substitution of saturated with monounsaturated fat in a 4-week diet affects body weight and composition of overweight and obese men L S Piers  1 , Karen Z Walker, Rachel M Stoney, Mario J Soares, Kerin O'Dea

Mechanisms underlying the onset of oral lipid-induced skeletal muscle insulin resistance in humans Bettina Nowotny  1 , Lejla Zahiragic, Dorothea Krog, Peter J Nowotny, Christian Herder, Maren Carstensen, Toru Yoshimura, Julia Szendroedi, Esther Phielix, Peter Schadewaldt, Nanette C Schloot, Gerald I Shulman, Michael Roden

 

Dieser Beitrag wurde zuletzt fachlich geprüft und aktualisiert am 10. März 2026

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Steffen

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