Kann Ernährung helfen, Erkältung und Grippe vorzubeugen? — Was die Forschung zeigt
Kann Ernährung helfen, Erkältungs- und Grippeviren vorzubeugen?
Die meisten Atemwegsinfektionen (englisch respiratory tract infections = RTIs), einschließlich Erkältung und Grippe (Influenza), werden durch Viren verursacht. Es gibt etwa 200 oder mehr Typen und Subtypen von Viren, die dazu beitragen. Zudem verändern sich Viren ständig durch genetische Mutationen.. Das macht die Prävention und Behandlung von RTIs recht schwierig und erklärt, warum wir im Laufe unseres Lebens viele Atemwegsinfektionen bekommen. Auch wenn wir dabei oft nur an ein paar Tage mit einer warmen Decke, heißem Tee und laufender Nase zu Hause sitzend denken, können RTIs sehr ernst sein – insbesondere bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem wie älteren Personen oder Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen.
Es gibt Hinweise darauf, dass fettarme, kohlenhydratreiche Ernährungsweisen das Immunsystem stärken.
RTIs werden in der Regel durch Kontakt mit infizierten Personen übertragen, etwa durch Husten, Niesen oder sogar durch die Atemluft. Deshalb verbreiten sich RTIs besonders schnell in geschlossenen Räumen – etwa in Schulen, großen Bürogebäuden oder öffentlichen Verkehrsmitteln. Kontaminierte Oberflächen wie Hände sind eine wichtige Übertragungsquelle. Zum Beispiel, wenn eine Person ihre Nase berührt und anschließend Ihre Hand schüttelt oder eine Oberfläche berührt (denken Sie an die Einkaufwagen, die Haltegriffe in Bus und Bahn), die Sie danach ebenfalls anfassen.
Daher ist eine der wichtigsten Maßnahmen zur Vorbeugung von RTIs eine gute Hygiene, insbesondere regelmäßiges Händewaschen. Natürlich waschen wir uns nicht ständig die Hände, und selbst bei guter persönlicher Hygiene ist es unwahrscheinlich, dass jede Person in unserer Nähe ebenso sorgfältig ist. Es ist daher nahezu unmöglich, Keimen vollständig aus dem Weg zu gehen. Glücklicherweise gibt es weitere Faktoren, die unser Immunsystem positiv beeinflussen können – einer der stärksten Faktoren um das Risiko für RTIs senken ist unsere Ernährung. Denn nicht nur Liebe geht durch den Magen — auch die Zusammensetzung unserer Ernährung beeinflusst maßgeblich die Funktion unseres Immunsystems.
7 Faktoren, die mit einer verminderten Immunfunktion in Verbindung stehen
- Übermäßiger Alkoholkonsum (bereits ab moderatem Konsum messbare Effekte)Schlafmangel
- Intensive körperliche Belastung
- Adipositas
- Hoher Fettkonsum
- Rauchen
- Psychischer Stress
7 Faktoren, die mit einer verbesserten Immunfunktion in Verbindung stehen
- Fettarme, kohlenhydratreiche Ernährung – Es gibt tausende Hinweise darauf, dass fettreiche Ernährungsweisen mit einer verminderten Immunantwort verbunden sind[7][8], während fettarme, kohlenhydratreiche Ernährungsformen das Immunsystem stärken.[13] Entscheidend scheint dabei vor allem die Qualität der Lebensmittel zu sein — insbesondere ein hoher Anteil unverarbeiteter pflanzlicher Lebensmittel.
- Mikronährstoffe, einschließlich Vitamine (z. B. Vitamin C) die in Obst und Gemüse enthalten sind[14][15]
- Vitamin D – Früher wurde Vitamin D vor allem mit der Knochengesundheit in Verbindung gebracht. Neuere Erkenntnisse zeigen jedoch, dass es viele wichtige Funktionen im Immunsystem erfüllt. Tatsächlich scheint Vitamin D bei jeder Art von Immunzelle eine Rolle zu spielen. Eine große Übersichtsarbeit im *British Medical Journal*, die 25 Studien mit über 11.000 Personen umfasste, zeigte, dass Vitamin-D-Supplementierung das RTI-Risiko um 12 % senkte.[16]
- Mineralstoffe und Spurenelemente** (z. B. Zink, Eisen und Selen). Zink kommt in Vollkornprodukten (insbesondere Weizenkeimen und -kleie), Samen, Nüssen, Sellerie, Senf und Hülsenfrüchten vor. Eisen findet sich in Hülsenfrüchten, Tofu sowie grünem Blattgemüse. Selen ist in Vollkornprodukten und Pilzen enthalten, in besonders hoher Menge jedoch in Nüssen, insbesondere Paranüssen. Zink und Eisen aus einer vollwertigen, pflanzenbasierten (WFPB) Ernährung können schwerer aufgenommen werden, weshalb auf eine ausreichende Zufuhr geachtet werden sollte. Zudem empfiehlt es sich, diese Lebensmittel mit Vitamin-C-Quellen zu kombinieren (z. B. Hülsenfrüchte mit Paprika oder Nüsse mit einer Orange), um die Aufnahme zu verbessern.
- Phytonährstoffe – „Phyto“ bedeutet Pflanze; Phytonährstoffe sind nicht essenziell, aber sehr gesundheitsfördernd und kommen ausschließlich in pflanzlichen Lebensmitteln vor. Es gibt Hinweise, dass sie antivirale Eigenschaften besitzen und das RTI-Risiko senken können.[17]
- Ballaststoffe – Früher galten Ballaststoffe als unverdaulich und nur für die Darmgesundheit relevant. Heute wissen wir, dass sie teilweise von Darmbakterien fermentiert werden. Dabei entstehen Nebenprodukte (z. B. kurzkettige Fettsäuren), die positive Effekte auf das Immunsystem haben. Ballaststoffe kommen ausschließlich in vollwertigen pflanzlichen Lebensmitteln wie Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten vor.
- Moderate, regelmäßige Bewegung – Wichtig für die allgemeine Gesundheit und das Immunsystem. Moderate Bewegung verbesserte beispielsweise signifikant die Antikörperantwort auf die Grippeimpfung.[18–20] Übermäßiges Training kann jedoch gegenteilige Effekte haben.
- Ernährung und Immunfunktion (mehr zur Rolle der Ernährung finden Sie hier. )
Die Evidenzlage speziell zu Ernährung und RTIs ist begrenzt, doch einige Studien sind sehr interessant.
Eine Studie aus den späten 1980er-Jahren zeigte, dass sich die Gesamtzahl der weißen Blutkörperchen zwischen Fleischessern und Personen mit pflanzenbasierter Ernährung nicht unterschied. Eine wichtige Art von Immunzellen (natürliche Killerzellen) war jedoch in der pflanzenbasierten Gruppe aktiver – was auf einen verbesserten Schutz nicht nur vor RTIs, sondern auch vor Krebs hindeutet.[21]
Eine frühere australische Studie berichtete, dass RTIs in allen Altersgruppen bei Personen mit pflanzenbasierter Ernährung seltener waren als bei Fleischessern. Interessanterweise waren die RTI-Raten bei Vegetariern höher als bei Personen mit besonders hohem Obst- und Gemüsekonsum.[22] Dies deutet darauf hin, dass nicht nur eine pflanzenbasierte Ernährung, sondern insbesondere ein hoher Verzehr von Obst und Gemüse optimal sein könnte.
Eine Studie aus dem Jahr 2010 mit über 1.000 schwangeren Frauen in Boston zeigte, dass diejenigen mit dem höchsten Obst- und Gemüsekonsum ein um 39 % geringeres RTI-Risiko hatten.[25]
Eine deutsche Studie aus dem Jahr 1999 untersuchte Nichtraucher, die zwei Wochen lang kaum Obst und Gemüse verzehrten. Anschließend konsumierten sie jeweils zwei Wochen lang täglich Tomatensaft, Karottensaft und getrockneten Spinat. Während der Phase mit wenig Obst und Gemüse sank die Immunfunktion; insbesondere Tomatensaft steigerte sie signifikant.[23]
Risikogruppen
Bestimmte Bevölkerungsgruppen haben ein erhöhtes Risiko für schwere RTIs, darunter Säuglinge, Menschen mit Immunschwäche und ältere Personen.
Eine Studie aus Nordirland mit Erwachsenen ab 65 Jahren, die nur zwei Portionen Obst und Gemüse täglich konsumierten, randomisierte die Teilnehmenden entweder zur Beibehaltung ihrer Ernährung oder zur Erhöhung auf fünf Portionen täglich. Nach 12 Wochen und anschließender Impfung zeigte die Gruppe mit fünf Portionen eine signifikant stärkere Antikörperantwort.[24]
Ernährung und Influenza
Eine große US-Studie aus dem Jahr 2010 berichtete, dass ein Anstieg der Adipositas oder körperlichen Inaktivität um 5 % zu einem Anstieg der Grippehospitalisierungen um 6–7 % führen würde. Eine geringe Obst- und Gemüsezufuhr hingegen würde zu einem Anstieg der Hospitalisierungen um 8 % führen.[26]
Vielleicht stimmt also doch das Sprichwort: „An apple a day keeps the doctor away“ – eine Studie im *New York State Dental Journal* zeigte, dass der tägliche Verzehr eines Apfels die RTI-Rate um 16 % senkte.[27]
4 Zentrale Erkenntnisse
1. Ein gesundes Immunsystem minimiert das RTI-Risiko und unterstützt eine schnellere Genesung.
2. Eine vollwertige, pflanzenbasierte Ernährung (WFPB) liefert viele für das Immunsystem wichtige Nährstoffe und reduziert ungünstige Nährstoffe.
3. Nicht-ernährungsbezogene Faktoren sind ebenfalls entscheidend (z. B. guter Schlaf).
4. Die Kombination dieser Strategien hilft, ein gesundes Immunsystem zu erreichen und aufrechtzuerhalten – und senkt dadurch das RTI-Risiko.
Wenn Sie unter häufigen Infekten oder einem geschwächten Immunsystem leiden, begleite ich Sie gerne in meiner Praxis — auch für Patienten aus Mering, Landsberg und Kaufering.
Vereinbaren Sie gern einen Termin.
Quellen:
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