Jodmangel in Deutschland – betrifft es wirklich nur Veganer?
Jodmangel in Deutschland - betrifft es wirklich nur Veganer?
(Dieser Beitrag wurde zuletzt fachlich geprüft und aktualisiert am 09.04.2026.)
Was erwartet Sie in diesem Beitrag?
In diesem Beitrag erfahren Sie, wie es tatsächlich um die Jodversorgung steht, warum eine rein pflanzenbasierte Ernährung oft kritisch betrachtet wird – und weshalb ein genauerer Blick zeigt, dass die Realität deutlich komplexer ist.
Dieser Beitrag soll keine Anleitung sein, sondern zum Nachdenken und eigenständigen Handeln anregen.
Warum ich bewusst nicht von „vegan“ spreche
Ich spreche im Folgenden bewusst von einer vollwertigen, rein pflanzenbasierten, fettarmen Ernährung und nicht von einer „veganen“ Ernährung.
Warum?
Weil „vegan“ nicht automatisch gesund bedeutet.
Auch eine vegane Ernährung kann hochverarbeitet, nährstoffarm und unausgewogen sein.
Ich beziehe mich daher auf die Aussagen verschiedener internationaler Fachgesellschaften (u. a. aus den USA, Kanada und Australien), die bestätigen:
Eine gut geplante, rein pflanzenbasierte Ernährung ist in jeder Lebensphase geeignet.
Jod – ein unterschätztes Spurenelement
Jod ist essenziell für:
- die Funktion der Schilddrüse
- hormonelle Regelkreisläufe
- zahlreiche Stoffwechselprozesse
Wie viel Jod braucht ein Erwachsener täglich?
Die WHO empfiehlt eine tägliche Aufnahme von etwa 150–200 µg Jod.
Sowohl ein Mangel als auch ein Überschuss können langfristig zu gesundheitlichen Problemen führen.
Welche Probleme zum Beispiel?
- Schilddrüsenerkrankungen (z. B. Hashimoto-Thyreoiditis)
- Funktionsstörungen
- im Extremfall auch Tumorerkrankungen
Warum sich Omnivore meist keine Gedanken machen müssen
Solange regelmäßig konsumiert werden:
- Milchprodukte
- Eier
- Fisch
- Brot und Backwaren
- verarbeitete Lebensmittel
… ist die Jodversorgung in Deutschland meist gesichert.
Der Grund:
Viele dieser Produkte sind künstlich jodiert oder enthalten Jod über Tierfutter.
Die eigentliche Frage lautet daher oft nicht:
„Habe ich genug Jod?“
sondern eher:
„Habe ich vielleicht zu viel?“
Und gerade in Regionen wie Landsberg am Lech, Kaufering oder Mering zeigt sich in der Praxis immer wieder, wie unterschiedlich die Jodversorgung tatsächlich ist.
Die Herausforderung bei pflanzenbasierter Ernährung
Wer sich vollwertig pflanzenbasiert ernährt:
- nutzt weniger verarbeitete Produkte
- kocht frisch
- reduziert „versteckte“ Jodquellen
Ergebnis: Die Jodversorgung muss bewusst sichergestellt werden.
Aber:
Das ist kein Problem – wenn man weiß, wie.
Jodiertes Salz – Lösung oder Problem?
Jodiertes Salz wird häufig als Hauptquelle empfohlen.
Rechnen wir kurz:
- ca. 18–20 µg Jod pro Gramm Salz
- Bedarf: ca. 200 µg/Tag
Das entspricht etwa 10–12 g Salz täglich
Problem:
- WHO empfiehlt max. 4–5 g Salz/Tag
- Höherer Konsum erhöht das Risiko für:
- Bluthochdruck
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Schlaganfall
Fazit:
Jod über Salz zu decken ist keine optimale Lösung
Meeresalgen – die bessere Alternative?
Algen sind eine natürliche Jodquelle.
Typische Werte:
- Nori: ca. 30–45 mg/kg
- Wakame: ca. 90–185 mg/kg
- Kombu: bis über 4000 mg/kg
Bedeutet:
- kleine Mengen reichen aus
- große Unterschiede je nach Sorte
Was Studien zeigen
Einerseits, zeigen sie deutliche Unterschiede im Jodgehalt bei ein und derselben Algenart aber verschiedener Herkunftsländer.
Es wurden aber auch unterschiede in ein und der selben Algenart in Studien verschiedener Jahre festgestellt:
Die oben gezeigten Tabellen aus verschiedenen Studien zeigt ganz klar:
- starke Schwankungen im Jodgehalt
- aber auch: kontrollierbare Mengen möglich
Wichtig:
- Nährwertangaben beachten
- nicht „blind“ konsumieren
Ein oft übersehener Punkt
Während bei Algen:
- Warnhinweise
- genaue Angaben
- klare Empfehlungen
vorhanden sind…
fehlen diese Informationen bei:
- Brot
- WurstMilchprodukten
- Fertiggerichten
Hier kennt kaum jemand den tatsächlichen Jodgehalt.
Ein interessanter Mechanismus
Bestimmte Gemüsesorten (z. B. Kreuzblütler wie Brokkoli oder Kohl) enthalten sogenannte Goitrogene.
Diese können die Jodaufnahme regulieren.
Das bedeutet:
👉 Eine Kombination aus:
- Algen (Jodquelle)
- Gemüse (regulierender Effekt)
kann ausgleichend wirken, so dass der Konsum von zu viel Jod, durch sehr jodhaltige Algen keine Schilddrüsenüberfunktionen verursacht, wenn diese Algen als Suppe gekocht gleichzeitig mit „Goitrin“ enthaltenem Gemüse verzehrt werden.
Fazit
Bei einer gut geplanten, vollwertigen, pflanzenbasierten Ernährung:
- ist eine ausreichende Jodversorgung möglich
- ohne übermäßigen Salzkonsum
- und ohne versteckte Zusatzquellen
Algen stellen dabei eine sinnvolle, natürliche Alternative dar – vorausgesetzt, sie werden bewusst eingesetzt.
Eine berechtigte Frage zum Schluss
Wenn nur ein kleiner Teil der Bevölkerung sich pflanzenbasiert ernährt, gleichzeitig aber ein großer Anteil der Gesamtbevölkerung Schilddrüsenprobleme entwickelt:
Ist es dann wirklich gerechtfertigt, reflexartig nur diese Ernährungsform zu kritisieren?
Unterstützung & weiterführende Informationen
Wenn Sie Ihre Ernährung bewusst gestalten und mögliche Nährstofflücken vermeiden möchten, unterstütze ich Sie gerne dabei.
Viele meiner Patienten aus Landsberg am Lech, Kaufering und Mering kommen genau mit solchen Fragestellungen zu mir.
Eine individuell angepasste Ernährungsstrategie kann hier entscheidend sein.
Quellen:
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. , Referenzwert Jod, https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/jod/
- Jodmangle verursacht viele Erkrankungen, https://www.jod.de/jod-mangel/jodmangel-verursacht-viele-krankheiten
- Tai Sheng Yeh, Nu Hui Hung, Tzu Chun Lin, Science Direct, Analysis of iodine content in seaweed by GC-ECD and estimation of iodine intake, https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1021949814000155
- Referenzwerte für die tägliche Nährstoffzufuhr der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V., https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/natrium-chlorid-kalium/
- Referenzwerte für die tägliche Nährstoffzufuhr der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V., Natrium (Salz) www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/natrium/
- Die Geschichte der Jodmangelprophylaxe in Deutschland, Zwangsjodierung der Bevölkerung durch den Staat, https://www.jod.de/zwangsjodierung/die-geschichte-der-jodmangelprophylaxe-in-deutschland
- Bundesinstitut für Risikobewertung, 09.02.2021, Artikel: Jodversorgung in Deutschland wieder rückläufig - Tipps für eine gute Jodversorgung, https://www.bfr.bund.de/fragen-und-antworten/thema/jodversorgung-in-deutschland-wieder-ruecklaeufig-tipps-fuer-eine-gute-jodversorgung/
- Wen-Harn Pan, Hsing-Juan Wu, Chih-Jung Yeh, et all, Diet and health trends in Taiwan: comparison of two nutrition and health surveys from 1993-1996 and 2005-2008, Nationanl Library of Medicine, 2011, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21669593/
- Michael Greger M.D.FACLM, Aug. 10,2015, Nutritionfacts.org, High Blood Pressure may be a choice, https://nutritionfacts.org/video/high-blood-pressure-may-be-a-choice/
- P.M.Schumm-Dräger, J.Feldkamp, Schilddrüsenerkrankung in Deutschland, PrävGesundheitsforum 2007, Springer Medizin Verlag, https://www.jodmangel.de/broschuerenbestellung/pdf/11553_2007_77_OnlinePDF.pdf
- Amit Bhargava, Hypothyroidism: To Screen or not to Screen, that is the Question?, Journal ot Thyroid Diusorder & Therapy 2016, https://www.longdom.org/open-access/hypothyroidism-to-screen-or-not-to-screen-that-is-the-question-2167-7948-1000e126.pdf
- Richard Lux und Ulla Walter, Stiftungslehrstuhl Prävention und Rehabilisation in der System- und Versorgungsforschung, Hannover, Ernährungs-Umschau 52, Heft 11, 2005, Präventionsstrategien durch Anreicherung von Grundlebensmitteln mit Iod, Fluorid und Folsäure: eine Chronologie, https://ernaehrungs-umschau.de/wp-content/uploads/2026/free_pdfs/EU11_444_447.pdf
Dieser Beitrag wurde zuletzt fachlich geprüft und aktualisiert am 9. April 2026
